Römischer Straßendamm bei U-Bahn-Bau in Köln gefunden
Die Bauarbeiten für die neue unterirdische Nord-Süd-Stadtbahn haben mit der Stadtarchäologie Mitte Januar 2003 in der Kölner Südstadt begonnen. Unmittelbar unter dem neuzeitlichen Straßenpflaster liegt in rund ein Meter Tiefe der Straßenschotter der römischen Fernstraße, der älteste Straßenausbau seit vorgeschichtlicher Zeit. Diese Jahrtausende alte Wegeachse war zu allen Zeiten hochwasserfrei und der bedeutendste Landweg nach Süden, in Sichtweite zum Rhein gelegen. In römischer Zeit wurde diese Route zur Limesstraße mit direkter Verbindung über die Alpen nach Rom.
Römische Straßeningenieure bauten den Weg zur Allwetterstraße aus. Der leicht gewölbte Straßendamm wurde zu beiden Seiten entwässert, teilweise von Straßengräben gefasst. Spezialisierte Straßenbauer schütteten auf die Lehmschichten in wechselnder Breite heran gefahrenen Rheinkies als Straßendecke auf und stampften den Kies fest.
In der Bonner Straße zeigen sich in der römischen Straßendecke Geleisespuren in einer Achsbreite von 1,20 m bis 1,40 m. Diese Fahrrillen haben sich durch Wagen des römischen Schwerlastverkehrs eingegraben. Die Spuren stammen vom täglichen Nahverkehr zwischen der Stadt und den landwirtschaftlichen Gütern im weiten Getreide- und Gemüsegürtel der Stadt. Eine technische Belastung der Straße war ebenso der rege Verkehr zwischen der Stadt und dem römischen Hauptquartier der Römischen Rheinflotte in Köln-Marienburg.
Die römische Fernstraße blieb bis in die frühe Neuzeit, allerdings nicht mehr gepflegt, die wichtigste Wegetrasse nach Süden. In der Schotterfläche drücken sich Nägel und Hufeisen, aber auch eine Säbelklinge ein. Erst offenbar in napoleonisch-preussischer Zeit ist die Straßendecke aus Basaltplatten – ganz in römischer Tradition – erneuert worden.
Die archäologischen Untersuchungen für den Stadtbahnbau in der Bonner Straße werden zügig in konzentrierten, wechselnden Abschnitten bis Mai 2003 unternommen.